Eine Kundin, Mitte 50, selbständig tätig, bat mich um Rat, ob eine Zahlung von 10.000 Euro in die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) eine für sie sinnvolle Investition darstellt. Sie möchte so ihre monatliche Rente im Alter aufbessern und gleichzeitig die Abzugsfähigkeit des Betrages als Sonderausgaben nutzen, um auf diese Weise ihre Steuerlast zu reduzieren.
Zur Klärung dieser Frage ist zunächst zu ermitteln, welche (zusätzliche) Rente sich durch die Einmalzahlung erreichen lässt. Gemäß der Rentenformel gilt:
Rente = Rentenwert x Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x Rentenartfaktor.
Da die Kundin planmäßig mit 67 Jahren in Rente gehen möchte und die normale Rente beziehen wird, sind die letzten beiden Faktoren unbeachtlich in diesem Fall.
Ein Entgeltpunkt kostet bei einem Durchschnittseinkommen für 2026 von (voraussichtlich) 51.944 Euro bei einem Beitragssatz von 18,6% für die GRV 9.660 Euro (=51.944 x 18,6%); d.h. bei einer Zahlung von 10.000 Euro würde sie 1,035 Entgeltpunkte erwerben. Die Rentenhöhe ergibt sich dann durch Multiplikation der Entgeltpunkte mit dem sog. Rentenwert des Jahres, in dem erstmalig Rente bezogen wird. Bei einem Rentenwert von 40,79 Euro für 2026 ergäbe sich somit eine Erhöhung der Rente um 1,035*40,79 Euro=42,21 Euro/Monat bei Rentenbeginn in diesem Jahr. Unterstellt man ein Ansteigen des Rentenwerts bis zum Rentenbeginn der Kundin auf 42,51 Euro, ergäbe sich eine monatliche Rente von 1,035*42,51= 44,00 Euro/Monat, also 528,00 Euro im Jahr.
Vereinfacht lässt sich somit feststellen, dass die Kundin nach ca. 18,9 Jahren ihr investiertes Geld zurückerhalten wird (10.000/528=18,9). Verstirbt sie früher, war die Zahlung ein Minusgeschäft für sie, bekommt sie länger als 18,9 Jahre Rente, war es ein positives Geschäft für sie.
Sonderausgabenabzug spart Steuern
Wenn man die Abzugsfähigkeit des eingezahlten Betrages als Sonderausgaben berücksichtigt, dann ergibt sich in dem Fall der Kundin eine Steuerersparnis von ca. 30%, d.h. die Kundin spart somit etwa 3.000 Euro an Steuern, so dass die Investition sie unterm Strich nur etwa 7.000 Euro kostet. Somit amortisiert sich auch die Rente bereits nach gut 13,25 Jahren (7000/528=13,25).
Unter Annahme unterschiedlicher Lebenserwartungen lässt sich die genaue Rendite der Rente ermitteln, wobei der Sonderausgabenabzug steuerlich berücksichtigt wurde, die Belastung der Rentenzahlung mit Steuern und Sozialabgaben aber außer acht gelassen wurde.
| Lebenserwartung | 80 Jahre | 85 Jahre | 90 Jahre | 95 Jahre | 100 Jahre |
| Rendite | 0,0% | 1,32% | 2,17% | 2,72% | 3,09% |
Die genaue Berechnung bestätigt die vereinfachte Kalkulation, dass bei Rentenbezug mit 67 Jahren und einer Rentenzahlung von 13 Jahren, also bis zum 80. Lebensjahr die Rendite bei Null liegt, also Einzahlung und Summe der Auszahlungen gleich ist. Mit zunehmender Lebenserwartung steigt dann die Rendite durch den längeren Rentenbezug entsprechend an.
Wenig rentierlich, dafür sicher und lebenslang
Eine Zahlung in die GRV bietet somit folgende Vorteile:
* Lebenslange, sichere Zahlung (kein Kapitalmarktrisiko)
* Inflationsgeschützt (Rentenanpassungen)
* Absicherung auch bei sehr hohem Alter
Nachteilig sind dagegen folgende Aspekte:
* Vergleichsweise geringe Rendite
* Kapital ist gebunden und nicht vererbbar (nur eingeschränkt über Hinterbliebenenrente)
Als Fazit lässt sich somit festhalten, dass eine Zahlung in die GRV keine hochrentierliche Investition, sondern vielmehr eine Versicherung gegen ein langes Leben darstellt. Sie lohnt sich besonders dann, wenn die Person sehr alt wird und Sicherheit wichtiger ist als Rendite.